Gerade war noch Ende der Sommerferien und Seba, Tobi und Felix haben beim jährlichen Kinderfest unseres Wohnorts den Essenstand übernommen. Das Rezept war ziemlich einfach: Rote Wurst vom Grill und Pommes aus der Fritteuse. Das ganze zubereitet auf Biertischen unter freiem Himmel (naja fast, wir hatten einen Pavillon) bei schönstem Wetter. Herrlich provisorisch!
Auf solchen Festen sind Pommes frites natürlich ein Klassiker und nebenbei für Zöliakiebetroffene oft auch das einzige, was zur Auswahl steht – wenn denn die Pommes nicht mit Weizenmehl gestreckt wurden oder in der Fritteuse noch andere Produkte zubereitet werden. Aber hinter diesem Alltags-Fast Food steckt noch mehr, nämlich eines der wohl meistdiskutierten Themen der europäischen Essensgeschichte. Kern der Diskussionen ist der alte Streit: Wer hats erfunden?
Belgien vs. Frankreich: Wer hats erfunden?
Waren es die wallonischen Belgier, die im Winter, wenn die Seen zugefroren waren, ihre Tradition des Frittierens kleiner Süßwasserfische auf Kartoffeln übertrugen? Oder liegt der Ursprung doch in Paris, wo Straßenhändler und Bistros die Pommes frites mit mittlerweile typischen Gerichten wie dem Steak-frites berühmt machten?
Heute tendieren Historiker eher zur belgischen Variante. Amerikanische Soldaten im ersten Weltkrieg machten sich darüber wenig Gedanken: Sie lernten die Pommes frites in einer französischsprachigen Region Belgiens kennen und nannten sie daher kurzum French Fries.
Übrigens: Im Streit über den Irakkrieg zwischen einigen EU-Staaten und den USA wurden die French Fries in den USA auf Initiative des Repräsentantenhauses kurzfristig in Freedom Fries umbenannt. Dies wurde zum Glück einige Jahre später stillschweigend wieder zurückgenommen.
Mittlerweile ist es Ende Winter, das Wetter kalt, grau und nass. Aber zur Currywurst von neulich passen Pommes frites als perfekte Beilage wieder perfekt. Und da wir dieses Mal nicht hunderte Festbesucher*innen verköstigen müssen sondern nur uns selbst, machen wir dieses Mal natürlich auch keine fertig gekauften. Allerdings haben wir keine Fritteuse zu Verfügung, daher stellen wir uns die Frage der besten Zubereitung im Backofen.
Die Kartoffel und das Wasser
Entscheidend für knusprige Pommes sind zwei Dinge: Die Wahl der richtigen Kartoffelsorte und die sorgfältige Zubereitung.
Für knusprige Pommes aus dem Ofen eignen sich festkochende Kartoffeln, beispielsweise die Sorten Linda, Annabelle, Belana oder Marabel. Auch Agria, Fontane oder Maris Piper eignen sich. Sie enthalten viel Stärke und zerfallen nicht während der Zubereitung. Wir haben übrigens Annabelle genutzt.
Wichtigster Schritt der Zubereitung ist das Wässern der Kartoffelstifte. Es entzieht die Kartoffelstärke an der Oberfläche und verhindert das Verkleben der Stifte. Zudem hilft es, eine gleichmäßige Bräune zu erreichen. Wichtig: Nach dem Wässern gut abtrocknen, Feuchtigkeit ist der natürliche Feind der Knusprigkeit.
Eine kleine Menge Öl und etwas (glutenfrei deklarierte!) Stärke helfen dabei, beim Backen eine knusprige Hülle zu erzeugen.
Beim Backen immer mal wieder die Ofentür öffnen, ihr werdet sehen wie viel Wasserdampf entweicht – den wollen wir nicht an unseren Pommes frites haben.


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